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Projektion (Nervensystem)
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top
Projektion bedeutet Fortleitung, örtliche Verlagerung. Der aus der Optik stammende Begriff wurde u. a. von der Neurophysiologie und Neuroanatomie ĂŒbernommen. Er ist abgeleitet von lat. pro = 1) vor, im Angesicht von 2) fĂŒr; zum Schutz von; und lat. iacere = werfen; lat. proiectio = das (rĂ€umliche) Hervortretenlassen, Vorwerfen, Ausstrecken (z. B. eines Gliedes); lat. proicere = vorwerfen, hinwerfen (z. B. Nahrung), hinauswerfen, wegwerfen, verschmĂ€hen, sich erniedrigen. Projektion ist definitionsgemÀà zunĂ€chst ein physiologischer Begriff, da er eine bestimmte Funktion beschreibt, nĂ€mlich z. B. die âVerlegung eines Sinneseindrucks an eine bestimmte Stelleâ.cite-ref-books-ogopbgaaqbaj-73-1-0[1] Projektionszentren sind primĂ€re Hirnzentren, auch primĂ€re Rinde genannt. Diese Zentren können sowohl motorische als auch sensorische QualitĂ€ten besitzen. Damit bezieht sich die Bezeichnung Projektionszentren konkret sowohl auf den Motorcortex als auch auf die Sensorischen Projektionszentren. Projektionsbahnen bestehen aus denjenigen kurzen oder langen Nervenfasern, welche die spezifische Funktion der jeweils primĂ€ren Rinde ausmachen. Es handelt sich somit um die spezifisch motorischen, sensorischen oder vegetativen Bahnen, so z. B. um die Sehstrahlung. Diese Bahnen gaben Anlass fĂŒr die Bezeichnung Projektion, da sie sich zu den eher flĂ€chenhaft, band- oder fĂ€cherförmig ausgebreiteten Projektionsfeldern âverzweigenâ mĂŒssen.cite-ref-dan-2-0[2]
Contents
âą Einzelnachweise
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Grundbegriff der funktionellen Neuroanatomie
Als anatomischer Begriff ist Projektion erst in der modernen Gehirnanatomie gebrĂ€uchlich geworden.cite-ref-dan-2-1[2] Das physiologische Konzept der Projektion erlaubt es, rĂ€umliche ZusammenhĂ€nge anatomisch besser verfolgen und verstehen zu können. Dieses Konzept basiert auf der Lokalisationslehre. Hierunter wird in der Neurologie die örtlich möglichst exakte Zuordnung von somatischen und psychischen Funktionen zu bestimmten Bereichen im Zentralnervensystem verstanden. Sie geht davon aus, dass es bestimmte Zentren von Nervenzellen im Gehirn gibt, die eine spezifische Leistung an einer bestimmten Stelle vollbringen. Als Beispiel hierfĂŒr mag die optische Leistung der Sehrinde dienen. Ein z. B. auf der Netzhaut des Auges aus einer Vielzahl verschiedener Bildpunkte entstandenes Bild wird ĂŒber Projektionsbahnen, die aus einer Vielzahl von Neuriten bestehen, an ganz bestimmte fĂŒr die Informationsverarbeitung zustĂ€ndige Felder des Zentralen Nervensystems (ZNS) weiter geleitet (Punkt-zu-Punkt-Ăbertragung). Projektionsbahnen wĂ€ren somit Nervenleitungen, die ein gegliedertes Abbild oder eine aus vielen einzelnen Elementen mosaikartig zusammengesetzte Information von einer âbestimmten Stelle des Körpersâ an eine andere Stelle in Form von Nervenimpulsen weitervermitteln. Man spricht dabei von topisch gegliederten Informationen, die jeweils auch von topisch gegliederten Empfangsorganen aufgenommen und verarbeitet werden.cite-ref-nhs-3-0[3]cite-ref-ans-4-0[4] Dieses âEmpfangsorganâ ist im Falle des optischen Sehens die primĂ€re Sehrinde. Sie stellt das spezifische Hirnzentrum fĂŒr die Sehfunktion dar. Die physiologische Organisation der Punkt-zu-Punkt-Abbildung beim Sehen nennt man Retinotopie. Dieses Organisationsprinzip ist in Ă€hnlicher Form auch bei den ĂŒbrigen Sinnesleistungen feststellbar.
Zu unterscheiden sind aufsteigende Projektionsbahnen, die von der Peripherie zu den Hirnzentren verlaufen, von absteigenden Projektionsbahnen, die in umgekehrter Richtung von den Hirnzentren zur Peripherie laufen.
Diese absteigenden Bahnen scheinen der Definition mosaikartig zusammengesetzter Informationen insofern zu widersprechen, als es hier um quasi punktförmige Efferenzen handelt, die von einem exakt lokalisierbaren Zentrum ausgehen, also z. T. um letzte Informationen vor der motorischen AusfĂŒhrung. Die Impulse des spezifisch motorischen Cortex sind jedoch nicht nur das Ergebnis eines âsensomotorischen Kurzschlussesâ, wie dies aufgrund der reinen Lokalisationslehre verstĂ€ndlich wĂ€re â nĂ€mlich im Sinne des Reflexbogens und als Ausdruck der topographisch korrespondierenden sensorischen und motorischen Homunkuli. Sie sind vielmehr ĂŒberwiegend als Ausdruck fein abgestimmter BewegungsablĂ€ufe zu bewerten und zu verstehen, vgl. PMA und SMA. Auch das Gestaltprinzip der somatotopischen Gliederung der Pyramidenbahn widersprĂ€che einem rein âpunktuellenâ VerstĂ€ndnis der effektorischen Leistung dieser âeinzelnenâ Projektionsbahnen im Sinne eines reinen Input/Output-Mechanismus dieser motorischen Zentren als isoliert und absolut wirksamer neuronaler Module. Die Organisation der Punkt-zu Punkt-Ăbertragung muss im Zusammenhang mit den integrativen Leistungen des Gehirn gesehen und verstanden werden, wie sie von den Assoziationszentren vollbracht wird.
Projektionsbahnen und Projektionszentren
Allgemeines und Begriffsentwicklung
Projektionsbahnen und Projektionszentren bilden eine gemeinsame Einheit, weshalb einer getrennten Darstellung etwas Erzwungenes anhaftet. Das hier vertretene Konzept der aufsteigenden und absteigenden Projektionsbahnen schlieĂt sich den Darstellungen an von Voss und Herrlingercite-ref-nsh-5-0[5] ebenso wie von Sobotta und Bechercite-ref-6[6] bzw. von Benninghoff und Goerttler.cite-ref-nhs-3-1[3] Manche Autoren wie Robert F. Schmidt und Wilfrid JĂ€nig behalten den Begriff Projektion nur absteigenden Nervenbahnen vor und verwenden ihn insbesondere nicht fĂŒr die aufsteigenden spino-thalamischen und thalamo-corticalen Bahnen.cite-ref-gdn-7-0[7] Die Darstellung im Roche Lexikon der Medizin von 1987 (2. Auflage) erwĂ€hnt nur die aufsteigenden Anteile der Projektionsbahnen sowie die Zentren in der Hirnrinde, nicht die absteigenden Anteile. Es beschreibt Projektion physiologisch als âLokalisierung einer Empfindung im Raum bzw. an der KörperoberflĂ€che, z. B. anhand der Lage des entsprechenden Lichtreizes im Netzhautbildâ.cite-ref-8[8] Ab der 4. Auflage des Lexikons 1999 werden auf- und absteigende Projektionsbahnen erwĂ€hnt.
Projektionsbahnen
Der anatomische Name âProjektionsbahnenâ (Tractus nervosi projectionis) ist eine Bezeichnung bestimmter Nervenbahnen nach der Pariser Nomenklatur (PNA). Diesen Namen verdienen die Nervenbahnen bereits in rein beschreibender Hinsicht aufgrund der fĂ€cherartigen Ausbreitung einer der wichtigsten Projektionsbahnen im Motorcortex des Endhirns, der AuffĂ€cherung der Pyramidenbahn (Abb. 3) oder auch der Corona radiata. Diese AuffĂ€cherung von Bahnen hat Ăhnlichkeit mit dem divergenten StrahlenbĂŒndel eines Projektors zur vergröĂerten Darstellung von Bildmaterial (Abb. 2).
Eine Besonderheit und EigentĂŒmlichkeit der Projektionsbahnen in rein anatomischer Sicht besteht darin, dass sie in verschiedenen KörperhĂ€lften verlaufen und z. T. gemischte Anteile aus verschiedenen KörperhĂ€lften aufweisen. Auch darin kann eine somatotopische Gliederung erkannt werden. Auf diese Weise unterscheiden sich Projektionsbahnen von den Assoziationsbahnen, die definitionsgemÀà nur in einer KörperhĂ€lfte verlaufen und lediglich Anteile von einer KörperhĂ€lfte besitzen.cite-ref-gdn-7-1[7]
Opticusfasern z. B. sind Projektionsbahnen, welche in unterschiedlicher Zusammensetzung aus Fasern des rechten und linken Auges stammen. Das Gesichtsfeld jedes Auges wird in jeweils verschiedene Abschnitte zerlegt, von denen die fĂŒr verschiedene Gesichtsfeldabschnitte zustĂ€ndigen Nervenfasern jeweils verschieden zusammengesetzt werden und somit auch aus verschiedenen KörperhĂ€lften stammen. Diese Zusammensetzung der Projektionsbahnen unterscheidet sich jeweils vor und nach der Kreuzung im Chiasma opticum. Die Sehbahn ist somit nach physiologischen ZweckmĂ€Ăigkeiten des Gesichtsfelds gebildet. Durch Fusion genannter Bildabschnitte des Gesichtsfelds kann ein âgröĂeres Gesamtbildâ wahrgenommen werden als es von jedem einzelnen Auge erfasst werden kann. Auch entsteht so ein Gesamtbild von ârĂ€umlicher Tiefenwirkungâ. Projektionsfasern werden von Assoziationsfasern und Kommissurenfasern unterschieden. Projektionsfasern sind hĂ€ufig lange Leitungsbahnen, seien es nun Pyramidenbahnen oder lange sensorische Bahnen, welche die Sinnesorgane mit dem Gehirn bzw. mit dem betreffenden sensorischen Projektionszentrum verbinden. Hierbei spielt es in Anbetracht des Kriteriums âLĂ€ngeâ keine Rolle, dass insbesondere die aufsteigenden Projektionsbahnen im Thalamus unterbrochen sind und auf ein anderes Neuron umgeschaltet werden.
Assoziationsfasern verbinden einzelne Abschnitte einer HemisphĂ€re miteinander, also etwa ein primĂ€res Rindenfeld mit dem sekundĂ€ren. Kommissurenfasern verbinden einzelne Abschnitte einer HemisphĂ€re mit der anderen. Diese Fasern verlaufen ĂŒber den Balken (Corpus callosum) zur anderen HemisphĂ€re.cite-ref-gdn-7-2[7] Nach dem Lehrbuch von Benninghoff-Goertler bestehen auch die Kommissurensysteme aus Assoziationsfasern.cite-ref-nhs-3-2[3]
Aufsteigende Projektionsbahnen
Aufsteigende Projektionsbahnen (corticopetale oder afferente Bahnen) vermitteln EindrĂŒcke aus der Umwelt (sensible und sensorische Projektion) oder aus der Innenwelt (viszerale Projektion) an bestimmte Gebiete von Nervenzellen im Zentralen Nervensystem.cite-ref-nhs-3-3[3]cite-ref-nsh-5-1[5] Diese Endstellen bzw. Empfangsorgane der Ăbertragung in den Hirnzentren werden sensorische Projektionszentren oder sensorische Projektionsfelder genannt.
Exkurs zur Begrifflichkeit von âșZentrumâč, âșFeldâč und âșRindeâč: Der Begriff Feld wird der Vorstellung einer rĂ€umlich ausgedehnten topischen Gliederung innerhalb eines Verbands von Nervenzellen bei einem bestimmten Rindengebiet gerecht und ermöglicht damit eine strukturierte âAbbildungâ sinnesphysiologischer Daten wie z. B. eines akustischen Klangeffekts, etwa eines Akkords oder eines optisch wahrzunehmenden Gegenstands, etwa eines Tischs. â Die Bezeichnung Zentrum dagegen lĂ€sst an einen punktförmigen Ursprung von Lichtstrahlen entsprechend dem Lochkameraprinzip denken (Abb. 1). Diese Bezeichnung eines nervösen Zentrums wird der Integration von Leistungen verschiedener Nervenzellen innerhalb eines regionalen Verbands von spezifisch differenzierten Nervenzellen gerecht, etwa von optischen Rindenzentren. Die willentlich gesteuerte Bewegung eines Fingers z. B. nimmt ihren Ausgang von einem sehr eng umschriebenen sozusagen punktförmigen Zentrum in der motorischen Hirnrinde. Da diese Zentren in jeweils fest bestimmten Regionen der Hirnrinde liegen und sehr spezifische Leistungen erbringen, spricht man auch von primĂ€ren Rindenzentren oder kurz von primĂ€rer Rinde. Die primĂ€re Rinde, die den Projektionsfeldern zuzurechnen ist, wird der sekundĂ€ren und tertiĂ€ren Rinde gegenĂŒbergestellt. Diese Felder erbringen ihrerseits Integrationsleistungen hinsichtlich verschiedener SinnesmodalitĂ€ten. So erfordert z. B. die Wahrnehmung eines optischen Gegenstands â z. B. eines Tischs â ein Zusammenspiel von optischen und akustischen Rindenfeldern. Hierdurch kommt es bei dem gewĂ€hlten Beispiel ĂŒber den Weg der Begriffsbildung zur gedanklichen Reproduktion des Wortes âTischâ und ggf. zur Aussprache dieses Worts, vgl. dazu die â Wahrnehmungstheorie.
SekundĂ€re und tertiĂ€re Zentren gehören jedoch definitionsgemÀà nicht mehr zu den Projektionsfeldern, auch wenn sie mit diesen in vielfacher neuronaler Verbindung stehen. Sie gehören dem Assoziationscortex an. Diese sekundĂ€ren und tertiĂ€ren Zentren lassen an das technische Prinzip der Schattenprojektion denken (Abb. 2). In den primĂ€ren und sekundĂ€ren Zentren des Gehirns werden hirnlokal unterschiedliche, spezialisierte und differenziertere Leistungen erbracht (â Topistische Hirnforschung). Hierbei handelt es sich nicht nur um angeborene spezifische Sinnesleistungen oder um spezifische motorische Leistungen (PS und EPS), sondern um komplexe erlernte Aufgaben wie u. a. Sprache, Körperschema und SymbolverstĂ€ndnis, die bei neuropsychologischen Syndromen gestört sein können. Man hat diese Funktionen auch als ReprĂ€sentationen einer inneren Landkarte oder als ReprĂ€sentation von Wirklichkeiten 2. Ordnung bezeichnet.cite-ref-9[9] DefinitionsgemÀà spricht man bei nervösen Verbindungen zwischen diesen jeweils halbseitig ausgebildeten und nur halbseitig verknĂŒpften Feldern von Assoziationsbahnen, bei nervösen Verbindungen zwischen diesen halbseitigen Assoziationsfeldern von â Kommissurenbahnen.
Manche Autoren rechnen auch die Kommissurenbahnen noch zu den Assoziationsbahnen, andere unterscheiden sie von ihnen. Nach den Prinzipien der topistischen Hirnforschung erfĂŒllen jedoch die Kommissurenbahnen Ă€hnliche Funktionen wie die Assoziationsbahnen, da sie nicht nur der Abgleichung zwischen linker und rechter HemisphĂ€re, sondern insbesondere auch der funktionellen Differenzierung beider HemisphĂ€ren Rechnung tragen.cite-ref-10[10]
Hier handelt es sich jedoch in erster Linie um eine begriffliche Trennung zwischen Assoziationscortex und Projektionscortex, die vom Gedanken spezifischer SinnesmodalitĂ€ten und der Unterscheidung zwischen motorischen und sensorischen Funktionen geprĂ€gt ist. Eine histologische Unterscheidung ist nicht möglich, cytoarchitektonische Unterschiede werden aber erforscht. Es handelt sich also weitgehend um eine makroskopische anatomisch-topographische Beschreibung. Nur die bei umschriebenen SchĂ€digungen auftretenden Ausfallserscheinungen lassen empirische RĂŒckschlĂŒsse auf die Funktion dieser Felder zu.cite-ref-ntd-11-0[11]
Absteigende Projektionsbahnen
Impulse der GroĂhirnrinde an die Peripherie werden ĂŒber absteigende Projektionsbahnen (corticofugale oder efferente Bahnen) weitergeleitet (motorische Projektion). Es können sich etwa bei Reizung von Nervenzellen an einer umschriebenen Stelle des Gehirns ganz bestimmte funktionell zusammengehörige Muskelgruppen kontrahieren. WĂ€hrend von der vorderen Zentralwindung nur einfache Bewegungen auslösbar sind, zeigen sich die ĂŒber Assoziationsfasern (Fibrae arcuatae) verbundenen und weiter angrenzenden Teile der Stirnwindungen als sekundĂ€re Zentren (Assoziationszentren) fĂŒr kompliziertere Bewegungen (eupraktische Bewegungskombinationen) Als Beispiel hierfĂŒr seien die konjugierten Bewegungen der Bulbi und entsprechende, gleichzeitige Drehbewegungen des Kopfes genannt. Das sekundĂ€re Zentrum hierfĂŒr liegt im Gyrus frontalis medius.cite-ref-ans-4-1[4] So entsteht Ă€hnlich wie bei aufsteigenden Projektionsbahnen ein somatotopisch gegliedertes Feld von Erregungen auch fĂŒr die absteigenden Projektionsbahnen, das fĂŒr komplexe Funktionen zustĂ€ndig ist. Auch fĂŒr einfache Bewegungen lĂ€sst die Pyramidenbahn eine somatotopische Gliederung in der Capsula interna erkennen, siehe Kap. Motorcortex. Bei den absteigenden Projektionsbahnen sind pyramidale und extrapyramidale Bahnen (PS und EPS) zu unterscheiden.
Projektionszentren
Bestimmte zentralnervöse Strukturen stellen als Projektionszentren entweder
1. die Endstelle der von Sinnesorganen jeweils ausgehenden sensorischen Leitungsbahnen im Gehirn dar (zur Vorbereitung der sinnlichen Wahrnehmung) oder
2. den Ausgangspunkt fĂŒr willkĂŒrliche spezifische Muskelaktionen (motorische Leistungen des ZNS ausgehend von den frontalen Zentren fĂŒr die Willensbildung) oder aber
3. eine Schaltstelle des vegetativen Nervensystems dar, die z. B. zu hormonellen oder immunologischen Regulationsmechanismen fĂŒhrt und dabei auch Informationen höherer Zentren verwendet.
Sensorisch sind diejenigen Nervenbahnen, deren Erregung zu einer Empfindung fĂŒhrt, die weiter bearbeitet und bewusst wahrgenommen werden kann (â Wahrnehmung). Im Gegensatz dazu vermitteln die ebenfalls zentripetal verlaufenden sensiblen Bahnen nicht notwendigerweise eine mit Bewusstsein ausgestatteten Erregungserfolg. Der Begriff Projektionszentrum ist weitgehend synonym verwendet mit Projektionsfeld, zur nĂ€heren Unterscheidung siehe den oben ausgefĂŒhrten Exkurs ĂŒber diese Fachbegriffe. Entsprechend der Modellverstellung des Reflexbogens stellen Projektionszentren das Verbindungsglied zwischen aufsteigenden und absteigenden Projektionsbahnen dar. Sie sind somit Bestandteil des Regelkreises auf der animalischen Stufe. Dieser Regelkreis ist auch als psychischer Reflexbogen bezeichnet worden. Die einzelnen Projektionszentren sind als neuronaler Verband in topische Felder gegliedert (Projektionsfelder), siehe â Topistische Hirnforschung.
Sensorischer Cortex
Unter dem primĂ€ren sensorischen Cortex ist die Endstelle der von den Sinnesorganen jeweils ausgehenden sensorischen Leitungsbahnen zu verstehen (Synonyma: primĂ€re sensorische Rinde, = primĂ€re sensorische Hirnrinde, = sensorisches Projektionszentrum). Zur sensorischen Rinde zĂ€hlt u. a. die in der hinteren Zentralwindung endende KörperfĂŒhlsphĂ€re (somatosensorisches Rindenfeld). Mit den sensorischen Projektionszentren sind jeweils auch die der primĂ€ren Rinde ĂŒbergeordneten Zentren verbunden (sekundĂ€re und tertiĂ€re Rinde). Sie werden Assoziationsgebiete genannt, siehe den vorstehenden Exkurs zu Zentrum und Feld.cite-ref-ntd-11-1[11] In diesen sekundĂ€ren und tertiĂ€ren Zentren erfolgt die Integration der fortgeleiteten Afferenzen der Sinnessysteme. Eine solche Integration wĂ€re z. B. die Fusion der zweidimensionalen Bilder zu einem rĂ€umlichen Bild im Falle der Sehbahn oder das Erkennen von Schriftzeichen, was ĂŒber das âbloĂe Sehenâ dieser Zeichen im Sinne von unbearbeiteten und nicht beachteten Empfindungen hinausgeht.
Motorcortex
Von den motorischen Hirnzentren erhalten die motorischen Projektionsbahnen den fĂŒr die Muskelaktion verantwortlichen zentralnervösen Impuls, siehe auch sensomotorischer Cortex. Das motorische Hauptgebiet ist die Regio praecentralis (Area pyramidalis und die Areae extrapyramidales). Von der Regio praecentralis nehmen ein GroĂteil aller willkĂŒrlichen Bewegungen ihren Ausgang, von hier aus werden sie gesteuert. Man bezeichnet sie daher als primĂ€r-motorische Rinde analog zum sensorischen Rindengebiet. Auch im Bereich der Motorik gibt es verschiedene Stufen der Projektion (primĂ€re und sekundĂ€re Zentren) je nach Ausbildung der fĂŒr die Muskelaktion zustĂ€ndigen Neuronenkette. Pyramidales und Extrapyramidalmotorisches System unterscheiden sich hinsichtlich dieser âzusĂ€tzlichenâ Umschaltzentren auf das nĂ€chste Neuron der Projektionskette. Pyramidale und extrapyramidale Bahnen sind als absteigende Projektionsfasern zu werten. Die fĂŒr die WillkĂŒrmotorik wichtigste Bahn ist die Pyramidenbahn. Die Pyramidenbahn weist in ihrem Verlauf durch die Capsula interna eine somatotopische Gliederung auf. Die zum Pyramidenbahnsystem (PS) gehörigen Bahnen werden auf ihrem Weg zu den motorischen Kernen im Mittelhirn, der Medulla oblongata und dem RĂŒckenmark nicht durch synaptische Verbindungen bzw. durch Umschaltung auf andere Neurone unterbrochen (Brodmann-Areale 4 und 8). Dies erlaubt eine relativ schnelle Reaktionsweise. Die Bahnen des extrapyramidalen Systems (EPS) werden auf ihrem Weg zu den motorischen Kernen mindestens einmal durch synaptische Umschaltung auf ein anderes Neuron unterbrochen. Diese Umschaltung erfolgt u. a. im Thalamus, dem Linsenkern oder in der BrĂŒcke (Brodmann-Areae 1â6, 19 und 22). Dies entspricht dem eher von vegetativen EinflĂŒssen mitbestimmten Funktionen des EPS, vgl. auch limbisches System, Formatio reticularis und ReflextĂ€tigkeit. PS und EPS können in gewisser Hinsicht als antagonistische Systeme aufgefasst werden. Beide Systeme hemmen sich untereinander. Bei SchĂ€digung des PS tritt z. B. eine deutliche Reflexsteigerung auf.cite-ref-nsh-5-2[5]
Viszerale Projektionszentren
Das Zentrum der aufsteigenden viszeralen Projektionen, also der von den GefĂ€Ăen, Knochen, und inneren Organen ausgehenden Empfindungen und Schmerzen ist sehr wahrscheinlich der Hypothalamus. Es versteht sich, dass die Schmerzempfindungen der Haut bzw. die Projektionen somatischer Empfindungen hierbei nicht in Betracht kommen. Diese viszeralen Afferenzen werden mit solchen aus dem Hormonsystem gekoppelt und in den Dienst der vegetativen und animalen Körperfunktionen gestellt. Mit dem Hypothalamus scheinen auch weitere Zentren ĂŒber z. T. phylogenetisch sehr alte Bahnen assoziiert. Diese sind:
1. der Gyrus cinguli anterior
2. der rostrale Thalamuskern
3. der dorsoventrale Thalamuskern
4. der vordere Temporalpol
5. die vordere Insel
Als weitere Assoziationszentren können die der orbito-cingulÀren Region benachbarten prÀfrontalen Gebiete auf der KonvexitÀt des Stirnlappens genannt werden. Diese spielen eine Rolle bei der Integration der Affekte (Willens- und Antriebsbildung).
Man hat versucht, durch Leukotomie tiefe viszerale Schmerzen auszuschalten.
Organisationsprinzip
Das Organisationsprinzip der Projektionsbahnen, Projektionszentren und der damit verbundenen Leistungen entspricht dem Prinzip des Strukturfunktionalismus. Max Neuburger hat die Entwicklung der Medizin als Wellenbewegungen dargestellt zwischen der auf rein anatomischer Lokalisation aufgebauten Anschauungsweise (topische Diagnostik) und einer physiologischen Vorstellungsweise im Sinne einer âallgemeinen funktionellen Pathologieâ.cite-ref-12[12]
Das Konzept der Projektionsbahnen und der in den Projektionszentren vollbrachten Leistungen entspricht diesem Gedanken. Somatotopische bzw. anatomische Gesichtspunkte einerseits und funktionelle bzw. physiologische Gesichtspunkte anderseits ergĂ€nzen sich zu einem gegenseitigen Gewinn an Erkenntnis. Es ist eine Forderung der Vernunft, morphologische Gegebenheiten mit physiologischen LeistungseigentĂŒmlichkeiten in Einklang zu bringen. Dies ist auch einer der Grundgedanken des anatomischen Lehrbuchs von Benninghoff-Goerttler.cite-ref-nhs-3-4[3] Wendet man diesen Grundsatz auf die Projektionszentren an, so ergibt sich die Folgerung, dass hier eine Leistungskette oder ein neuronales Netz besteht.cite-ref-13[13] Durch die âVerlagerung eines Sinneseindrucks an eine bestimmte Stelleâ (Triepel) erfolgt eine zweite Niederschrift. Durch diese neue Niederschrift eines Sinnesreizes oder eines Handlungsentwurfs besteht die Möglichkeit zu seiner qualitativ neuen und andersartigen Verarbeitung durch diese Zentren und weitere angrenzende Assoziationsgebiete.
Dieses Prinzip wurde bereits von Sigmund Freud 1915 formuliert. Freud verfĂŒgte bekanntlich ĂŒber neuropathologische Erfahrungen.cite-ref-14[14] Zur Frage der anatomischen Topik von BewusstseinsqualitĂ€ten unterschied er zwischen verschiedenen Möglichkeiten. Er unterschied prinzipiell die Möglichkeit der zweiten Niederschrift einer Vorstellung an einem anderen Orte (unterschiedliche Topik je nach verschiedenen BewusstseinsqualitĂ€ten â dies kĂ€me dem Prinzip somatotopisch gegliederter Assoziationszentren recht nahe) von einer bloĂ funktionellen ZustandsĂ€nderung ohne den Ort der ersten Niederschrift zu verlieren (konstante Topik bei jeweils unterschiedlicher dynamischer Besetzung), vgl. Abb. 4.cite-ref-15[15] Der Neurophysiologe Herbert Hensel grenzte 1952 ebenfalls zwei Variationsmöglichkeiten zur Unterscheidung von SinnesqualitĂ€ten voneinander ab. Grundlegend hob er eine Wahrnehmung von Reizen in spezifischen Rindenzentren infolge unterschiedlicher Lokalisation dieser Zentren von einer Unterscheidung infolge verschiedener Erregungsformen in ein und demselbsen Zentrum voneinander ab.cite-ref-16[16]cite-ref-17[17]
Einzelnachweise
cite-note-books-ogopbgaaqbaj-73-11. â Hermann Triepel: Wörterbuch der anatomischen Fachbegriffe. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-97798-5, S. 73 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
cite-note-dan-22. â Hermann Triepel, Robert Herrlinger: Die anatomischen Namen. Ihre Ableitung und Aussprache. Bergmann, MĂŒnchen 1962, S. 59
cite-note-nhs-33. â Alfred Benninghoff, Kurt Goerttler: Lehrbuch der Anatomie des Menschen. Dargestellt unter Bevorzugung funktioneller ZusammenhĂ€nge. 3. Band: Nervensystem, Haut und Sinnesorgane. Urban & Schwarzenberg, MĂŒnchen 1964, S. 133 (a), 240 (d), 242 ff. (a) (c) (e), insbesondere S. 247 ff. (a).
cite-note-ans-44. â Helmut Ferner: Anatomie des Nervensystems und der Sinnesorgane des Menschen. Reinhardt, MĂŒnchen 1964, S. 162 f.
cite-note-nsh-55. â Hermann Voss, Robert Herrlinger: Taschenbuch der Anatomie. Nervensystem, Sinnessystem, Hautsystem, Inkretsystem. Band III. Fischer, Jena 1964, S. 20 (c), 62 ff. (a) (b)
cite-note-66. â Johannes Sobotta, H. Becher: Atlas der Anatomie des Menschen. 3. Teil: Zentralnervensystem u. a. Urban & Schwarzenberg, MĂŒnchen 1962, Fig. 215â217 und 299; Text S. 330 f.
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